Elterntaxi - Zeitgeist auch bei uns?

Als Schulleiter möchte ich die Initiative engagierter Eltern sehr unterstützen.

Bitte lassen Sie Ihr Kind  zumindest einen Teil des Schulweges laufen! Die Elterninitiative hat hervorragende Möglichkeiten und Begründungen ausgearbeitet. (s. hier)

Leider ist es so, dass es zu viele Eltern gibt, die innerhalb von 10 Minuten möglichst nah mit dem Auto den Haupteingang der Schule erreichen wollen, um hier ihr Kind aus- oder einsteigen zu lassen.

Es gibt keinen Preis zu gewinnen, für den kürzesten Weg ins Schulgebäude oder in das abholende Elterntaxi. Das gesellschaftliche Ansehen verbessert sich dadurch ebenfalls nicht. Einen sehr seltenen Zeitgewinn zu ergattern ist Einstellungssache (Ist es mir das wert?).

Vielleicht sollte eine Schulung der Verkehrsregeln nochmals aufgefrischt werden:

Nur drei Beispiele:

Der Gehweg und der Zebrastreifen sind kein Parkraum.

Kinder steigen grundsätzlich zum Gehweg hin aus - und nicht zur Straßenseite.

Ein- und Aussteigen in der zweiten Reihe gefährdet alle Verkehrsteilnehmer.

Weitere Beobachtungen:

Zeitgestresste Eltern und Kinder, die teilweise durch das Verkehrsverhalten der "Anderen" ohne Hupen, Beschimpfungen, ....,  nicht auskommen.  Diese Kinder beginnen den Unterricht damit schon aggressiver und gestresster.

Das Tragen der Schultaschen durch die Eltern oder Großeltern bis zur Eingangstür unterstützt die Kinder nicht. Bei laufendem Motor diesen "Dienst" erfüllen, ist zudem wirklich nicht mehr zeitgemäß.  

Um verlorene Zeit (des vielen Verkehrs wegen) einzusparen, ist es auch nicht förderlich den Kindern zu erlauben ein paar Meter neben dem Zebrastreifen die Straße zu überqueren. Sie haben hier die Vorbildfunktion als Erwachsener!

Beim Zurücksetzen ihres Fahrzeugs (ausparken) könnten sich hinter dem Auto Kinder befinden, die sie nicht im Rückspiegel sehen und bei denen die Sensoren am Fahrzeug nicht schnell genug reagieren. In den winterlich frühen Morgenstunden, also bei Dunkelheit, eine besonders hohe Gefahrenquelle. Wir werden den Unterrichtsbeginn deswegen nicht auf 9.00 Uhr verlegen!

Wenn Sie schon zu diesem Zeitpunkt in das Zentrum fahren müssen, unterlassen Sie unbedingt das (möglicherweise nur für Sie) wichtige Telefonat mit dem Handy am Ohr. Dies ist verboten und Sie gefährden damit die ankommenden Kinder und anderen Verkehrsteilnehmer!

Sofern Sie sich weiter diesem Szenario aussetzen wollen, muss Ihnen bewusst sein, dass es in Ihrer Verantwortung liegt, den Kindern keine Selbstdisziplin und Selbstverantwortung beizubringen, z.B. auch bei schlechtem Wetter richtig gekleidet zu sein, die Zeit des Schulweges richtig einschätzen zu lernen, den normalen alltäglichen Straßenverkehr zu verstehen und beherrschen zu lernen, ...

Man kann nicht ständig bauliche Maßnahmen fordern, um bei diesen im Wettkampfmodus einen Weg des Umgehens zu finden. Man kann nicht ständig nach Polizei oder Ordnungsmacht rufen, um bestehende, sinnvolle, klare Regelungen und Möglichkeiten einzuhalten. Selbstdisziplin eines jeden hilft Kosten sparen, die an anderen Stellen sinnvoll eingesetzt werden können.

Die Elterninitiative zeigt auf: -  Wenn notwendig, ein Stück mit dem Auto - und dann ein Stück zu Fuß.

Bitte sprechen Sie die Eltern, die Ihre und ihre eigenen Kinder gefährden, ruhig und sachlich an, auch wenn Sie den Eindruck haben, dass es im Augenblick zu nichts führt. Reagieren Sie nicht auf unangemessene Reaktionen der angesprochenen Personen.

Selbstverständlich gibt es Ausnahmesituationen, das Kind in die Schule, nahe vor die Eingangstür, zu fahren. Die Ausnahme ist aber nicht zu verstehen als ein täglicher oder häufiger Zustand. Und die Ausnahme beinhaltet nicht die Gefährdung der morgendlich fröhlich ankommenden Schulkinder. 

Ein Dank an all die Eltern, die sich der Initiative der engagierten Eltern aus dem Elternbeirat anlehnen.

Als Schulleiter bin ich Optimist, dass wir die Situation verbessern können.

Wolfgang Kneer (Rektor)